Tabakbekämpfung
und Raucherdiskriminierung sind überall Konsens – es wird höchstens noch über
Tempo und Details der weiteren Entrechtung diskutiert. Keine Partei, kein Teil
der Tabakwirtschaft stellt das grundsätzlich in Frage – nur wir. Das macht uns
zur letzten Bastion der Freiheit, zum letzten Bollwerk gegen die totale
Bevormundung des individuellen Lebensstils.
Netzwerk
Rauchen e.V. informiert den Raucher als Verbraucher und setzt sich für die
Rechte der Tabakgenießer ein, die permanent mit Füßen getreten werden. Daher
sind wir in Deutschland als gemeinnützig anerkannt. Das heißt: Ihr
Mitgliedsbeitrag (und Ihre Spende) sind steuerlich abzugsfähig.
Ob Sie aktiv
an der Vereinsarbeit teilnehmen wollen oder hauptsächlich zahlendes Mitglied
sein wollen, um die Finanzierung unserer Arbeit zu unterstützen, steht Ihnen
natürlich frei. Beides geht! Ab 2,50 € im Monat (also nur 30 Euro pro Jahr)
sind Sie dabei. Bedenken Sie: Die Antiraucher-Lobby verfügt über Unmengen von
Steuer- und Pharmageldern, die in Stimmungs- und Panikmache fließen. Wir als
ehrenamtlicher arbeitender Verein brauchen gewisse Ressourcen, um ein wenig
dagegenhalten zu können.
Nun erhalten
Sie auch ein kleines Dankeschön für Ihren Beitritt. Im Spendenshop
von Netzwerk Rauchen können Sie aus drei Prämien auswählen: Ein
Mousepad, ein Poster oder einen Leinenbeutel, selbstverständlich alle mit einer
Botschaft versehen. Ihr Einsatz gegen Diskriminierung, geben Sie sich einfach
einen Ruck!
Mentholzigaretten und Mentholtabak zum Drehen und Stopfen sind ab dem 20.5.2020 in der EU verboten. Zeit, sich Vorräte anzulegen. Und mit Alternativen zu experimentieren.
Die EU-Tabakproduktrichtlinie (TPD 2), die 2016 in Deutschland in Kraft getreten ist, verbietet „charakteristische Aromen“ in Industriezigaretten und Feinschnitt-Tabaken, „unter anderem Früchte, Gewürze, Kräuter, Alkohol, Süßigkeiten, Menthol oder Vanille“ (Art. 2 Nr. 25). So dürfen z.B. indonesische Nelkenzigaretten (Kretek) seit Mai 2016 in der EU nicht mehr hergestellt und seit Mai 2017 nicht mehr verkauft werden. Eine Ausnahme sieht die TPD aber vor (Art. 7 Nr. 14): Wenn ein solches Aroma „unionsweite Verkaufsmengen 3 % oder mehr einer bestimmten Erzeugniskategorie“ erzielt, gilt der 20 Mai 2020 als Stichtag. Was ist damit gemeint? Ausschließlich Menthol. Ist zwar ein Nischenprodukt, aber im Gegensatz zu anderen Aromen weist es einen gewissen Nutzungs- und Bekanntheitsgrad in der Welt des Tabakgenusses auf.
Allerdings wurden durch die deutsche Umsetzung der EU-Richtlinie (siehe hier und hier) „verschiedene Arten der Mentholzigaretten“ schon 2016 verboten, wie der Deutsche Zigarettenverband (DZV) beklagt. Einige Marken gibt es aber nach wie vor, nur eben nicht mehr lange. Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt wäre als starker Raucher der Marke Reyno ebenfalls betroffen, wenn ihn der Tod nicht schon im zarten Alter von knapp 97 Jahren dahingerafft hätte. Er soll seine Lieblingsmarke vorher noch stangenweise gehortet haben, um auf die TPD 2 vorbereitet zu sein – sein Frühableben verschonte ihn dann aber vor Ekelbildern und Aromaverboten.
Begründet wurde dieses
Verbot übrigens damit, dass gewisse Geschmacksrichtungen Heranwachsende
angeblich zum Rauchen ‚verführen‘. Wie immer bei den Antirauchern und wie
üblich bei der EU nur eine vorgeschobene Ausrede. Eine besondere Popularität
von Mentholzigaretten bei jungen Rauchern lässt sich in Deutschland gerade
nicht feststellen. Egal, Hauptsache wieder eine Gängelung mehr gegen
Tabakgenießer. Und eine massive Einschränkung der Angebotsvielfalt für die
Verbraucher.
Der Versuch eines mittelständischen Herstellers aus Deutschland, per Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), dem Pseudo-Verfassungsgericht der EU, das Aromenverbot zu Fall zu bringen, blieb 2019 leider – aber erwartungsgemäß – erfolglos. Verbraucher hätten genug Zeit, „zu anderen Erzeugnissen zu wechseln“. Wer also bisher Mentholzigaretten raucht, kann das in drei Monaten nicht mehr – toller „Wechsel“, so sieht Wahlfreiheit à la EUdSSR aus.
„Am 30. Mai ist der Weltuntergang“ hieß es früher im Lied, wird jetzt der 20. Mai zum Weltuntergang für Menthol-Liebhaber? Nicht ganz, denn man kann mehreres tun:
Hamstern
Sie können sich Vorräte
anlegen. Bei guter Lagerung können Zigaretten zwei Jahre halten. Wenn man
Qualitätseinbußen in Kauf nimmt, auch länger. Siehe hier unsere
Tipps zur Bevorratung. Rund zwei Dutzend Zigarettenmarken mit
Menthol gibt es derzeit noch auf dem Markt, zu finden in
unserer Suche (Suchbegriffe: „Menthol“, „Ice“) und noch zwei, drei
einschlägige Marken beim Dreh-
und Stopftabak (den man nicht so lange lagern kann, ohne dass sich
die Qualität verschlechtert). Netzwerk Rauchen rät Interessierten zum
schnellstmöglichen Hamsterkauf!
Zigarillos
Außerdem gibt es einzelne Mentholzigarillos
verschiedener Hersteller. Eventuell kommen noch welche hinzu, als Ersatz für
verschwindende Zigarettenmarken. Vielleicht treffen sie den Geschmack einiger
Raucher, gerade solcher, die nur gelegentlich zu Mentholprodukten greifen.
Einfach im Fachhandel nachfragen.
Do-it-yourself
Und dann können Sie selbstgemachte
Alternativen ausprobieren.
Zum einen besteht die
Möglichkeit, aromatisierte Filter zu erwerben. Für Stopftabak gibt es Hülsen
mit einer Kapsel im Filter, die nach Drücken das Mentholaroma freisetzt. Auch für
Drehtabak existieren Mentholfilter.
Zum anderen lässt sich der Tabak selbst entsprechend behandeln. Auf dem Markt finden sich sogenannte Flavo(u)r Cards/Strips und Ampullen verschiedener Marken. Karten und Streifen werden in den Tabak gelegt, der Ampulleninhalt darauf geträufelt und je nach Produkt dauert es von einer Viertelstunde bis zu mehreren Stunden, und der hat Tabak den gewünschten Mentholgeschmack angenommen, versprechen Hersteller und Händler. Als Tabak dafür eignet sich aus Sicht des Netzwerk Rauchen – entsprechend dem Profil bestehender Metholzigaretten-Marken – besonders American Blend mit höheren Nikotinwerten. Es wäre auszuprobieren, ob z.B. Geschmackskarten auch bei Fertigzigaretten funktionieren, indem man sie in die Packung legt. Oder man träufelt gleich selbst Minzöl auf den Tabak.
Schließlich lässt sich
beides kombinieren, ein aromatisierter Filter mit aromatisiertem Tabak. Für
Informationen über einschlägige Produkte konsultieren Sie den Fachhandel, auch
auf Händlerseiten im Internet. Viel Erfolg bei Ihren Experimenten, und berichten
Sie bitte über Ihre Erfahrungen unten in den Kommentaren zu diesem Beitrag!
Der Tabakkonzern Philip Morris International (PMI) biedert sich schon lange bei den Anti-Rauchern an. Mittlerweile setzt er darauf, dass seine neuen IQOS-Verdampfer mit den „Heet“-Sticks von der zunehmenden Bekämpfung klassischer Tabakwaren profitieren. Netzwerk Rauchen sagt: Nicht kaufen!
Zigarettenkonzern Philip Morris (mit nur einem „l“) und das Netzwerk Rauchen wäre auf einen solchen Titel auch keineswegs gekommen. Denn wir hegen gegenüber dem Unternehmen ganz andere Gefühle, schließlich haben wir schon 2007 zu einem Boykott von Philip-Morris-Produkten aufgerufen. Zwischenzeitliche und erst recht aktuelle Entwicklungen geben uns mehr als Recht.
Philip Morris International (PMI), seit 2008 der außeramerikanische Zweig des Multis, hat vor wenigen Monaten auch in Deutschland eine Kampagne gestartet, die sich „UNsmoke“ nennt. Hinter dieser im besten Orwellschen Neusprech gehaltenen Parole steht die Botschaft, man solle auf keinen Fall rauchen – und wenn es dann doch unbedingt sein muss, auf das PMI-Produkt IQOS mit seinen „Heets“ umsteigen, einen Tabakerhitzer.
Solche
Antiraucher-Sprüche mögen aus dem Munde eines Konzerns, der in vielen Ländern
seit langem die Marktführerschaft bei Industriezigaretten innehat, verwundern.
Auch in Deutschland dominiert der Produzent von Marken wie Marlboro, L&M,
Chesterfield oder F6 als größter Anbieter. Und jetzt bedankt er sich für den
Kundenzuspruch damit, dass er den Leuten vorschreiben will, seine
Paradeprodukte gefälligst nicht mehr zu konsumieren?
Doch wer die Wende kennt, die der Markgigant vor etwa 20 Jahren vollzogen hat, wundert sich über gar nichts mehr. Damals kam man in der US-Konzernzentrale offenbar zu dem Schluss, lieber mit den Anti-Tabak-Wölfen heulen zu wollen, um seine Geschäfte zu sichern. Statt wie vorher gelegentlich aggressiv gegen die Tabakbekämpfung Stellung zu beziehen, entschied man sich, nach dem Motto „If you can’t beat them, join them“ dem Gesundheitspuritanismus Tribut zu zollen. Kein kritisches Wort mehr zur wissenschaftlich widerlegbaren Passivrauch-Hetze, keinerlei Infragestellen der Raucherdiskriminierung mehr. 2007 schied man daher aus dem deutschen Industrieverband VdC (Verband der Cigarettenindustrie) aus, was dessen Ende besiegelte, und trat der Neugründung DZV (Deutscher Zigarettenverband) nicht bei, sondern kocht seither sein eigenes Süppchen. Zwischenzeitlich gründete das Unternehmen sogar eine eigene Antiraucher-Stiftung.
Denn
wenn man schon der Tabakbekämpfung nicht mehr die Stirn bieten will, sondern
sich bei ihr einschleimen, so kann man doch wenigstens der Konkurrenz ein
bisschen schaden. PM verdankt dem Autor Christopher Snowdon zufolge seine
marktbeherrschende Stellung in den USA den ersten Werbeverboten vor 50 Jahren,
da diese bekanntlich den großen Marken (in dem Fall Marlboro) helfen. Vorher
war die Spitzenposition bei den Marken noch heiß umkämpft. So befürwortet PM
gerne staatliche Regulierung, die den Konkurrenten mehr schadet als ihm selbst,
z.B. bei Werbeverboten oder der höheren Besteuerung von Dreh- und Stopftabak,
der nicht zu ihrem Kerngeschäft gehört.
2009 erkämpfte PM in den USA sogar Seite an Seite mit übelst hetzerischen Antiraucherlobbys den „Family Smoking Prevention and Tobacco Control Act“, den Kritiker „Marlboro-Schutz-“ bzw. -Monopol-Gesetz“ getauft haben, weil er – wie von PM schon lange gefordert – der US-Lebensmittel- und Arzneibehörde FDA die Regulierungsmacht über Tabakprodukte verschafft hat. So werden höhere Hürden für Konkurrenzprodukte aufgebaut, während sich der Konzern Nutzen für seine Neuentwicklungen ausrechnet.
Und damit sind wir wieder bei IQOS bzw. den Heets. In Tabakwarengeschäften stößt man seit geraumer Zeit auf aggressive Reklame für diese Tabakerhitzer, in Form von Schildern, Aufstellern u.ä. oder gar durch persönlich anwesende Werber. Auf der Zeil in Frankfurt/Main hat man die nach eigenen Angaben größte „IQOS-Boutique“ der Welt auf zwei Stockwerken eröffnet, es soll in Deutschland 50 weitere Werbetempel von der Sorte geben. Der Heets-Tabak wird als Pfeifentabak versteuert, also deutlich günstiger als Zigaretten. Was dem Verbraucher in der Geldbörse nicht auffällt… So verspricht man sich den großen Reibach. Und sammelt zudem fleißig Kundendaten. Gleichzeitig will PMI Deutschland zum Jahresende fast 1000 Mitarbeiter an seinem Berliner Produktionsstandort entlassen, was zu Protesten geführt hat.
Passen die nicht mehr in die „rauchfreie Zukunft“? Nun, die Produktion wird verlagert. Der Konzern mit einem Börsenwert von rund 120 Milliarden Dollar macht seinen Nettoumsatz von ca. 30 Milliarden Dollar (davon über 9 Milliarden in der EU) nach wie hauptsächlich mit Zigaretten. Seit Jahren steigt die Dividende der Aktionäre. Daran kann man übrigens erkennen, dass die Tabakbekämpfung globalen Großkonzernen weit weniger schadet als den Tabakgenießern und den Schwächeren in der Wertschöpfungskette.
Und das erklärt, warum PMI so tut, als
wollten sie nicht, dass wir ihre Zigaretten erwerben – aber trotzdem nicht
aufhören, sie herzustellen. Verkauft doch eure Marken, allen voran Marlboro,
für ein Schweinegeld an die Konkurrenz und setzt alles auf eure Heets! Ach
nein, doch nicht… verdammte Heuchler in alter Tradition des amerikanischen
Puritanismus.
Stattdessen will man die Heets als das vermeintlich ‚bessere‘ Produkt etablieren, um sich so dem Anti-Rauch-Feldzug anzubiedern. So kann man Restriktionen gegenüber Rauchtabak bejubeln oder sie sogar fordern, solange die Erhitzer außen vor bleiben. PMI-Vorstandsmitglied Jacek Olzak etwa bittet darum, den „positiven Wandel“ – von klassischen Tabakwaren zu ihrem IQOS – „durch fortschrittliche, regulatorische Maßnahmen zu beschleunigen.“ Fortschrittlich ist an Tabakprohibition gar nichts, aber das Wort „progressive“ in der Konzernsprache Englisch bedeutet auch „voranschreitend“ – wie eine sich verschlimmernde Erkrankung, hier die Lifestyle-Diskriminierung und staatliche Gängelung, die in der Tat zunehmend voranschreiten.
Olzak bemüht als Analogie ausgerechnet Energiesparlampen und das EU-Verbot von Glühbirnen: „Ist die Technologie da und das neue Produkt kann das vorherige perfekt ersetzen, setzt der Wandel unweigerlich ein.“ Der Manager mit Millioneneinkünften scheint nicht die hellste Leuchte zu sein. Energiesparlampen haben Glühbirnen in ihrer Funktion, ihrer Produktsicherheit und ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis nie adäquat ersetzen können. Deren Ablösung kam auch nicht „unweigerlich“, sondern durch den Brüsseler Bannhammer. Vielleicht sollte PMI IQOS-Heets als „Energiesparlampe unter den Tabakprodukten“ bewerben, dann ginge mehr Kunden ein Licht auf.
Dieses Produkt wurde in den USA von der oben genannten FDA genehmigt – damit hatte sich das jahrelange Lobbying gelohnt. Die FDA plant derzeit, Nikotingrenzwerte in Tabakwaren zu senken. Damit kann PMI für die Heets erstmal ganz gut leben, enthalten die Sticks doch je 0,5 Milligramm Nikotin und damit die Hälfte des EU-Grenzwerts. Man bereitet sich also gezielt vor. Bei ihren Zigaretten bekäme PMI aber Probleme: Die meisten ihrer Marken enthalten mehr Nikotin und der Versuch einer kleinen Absenkung scheint hierzulande gescheitert. Wie man nämlich feststellt, wenn man die Werteangaben vergleicht, die Netzwerk Rauchen jährlich im Internet präsentiert: Zum Stichtag 2017 kamen die roten Marlboros, L&Ms und Chesterfields auf nur 0,7 mg Nikotin, 0,1 mg weniger als im Vorjahr. Bei den blauen Chesterfields sank der Wert von 0,6 auf 0,5 mg. Im Folgejahr 2018 wurden diese Änderungen offenbar rückgängig gemacht. Vielleicht sollte den Managern dämmern, dass sie sich mit ihrem Ansatz letztlich doch den Ast absägen, auf dem sie sitzen.
Oder
sie setzen weiterhin darauf, dass ihre Unterstützung des Gesundheitswahns in
eine Regulierungslage mündet, wo Produkte wie IQOS als Raucher-„Methadon“
ersatzweise verabreicht werden, weil man klassische Tabakprodukte verboten hat.
Für das Netzwerk Rauchen ein Grund, unseren Boykottaufruf an politische
bewusste Verbraucher zu erneuern:
Stoppen Sie diese Machenschaften, kaufen
Sie deren Produkte nicht!
(Marken finden Sie hier
und hier
in der Suche) – und stellen Sie PMI und
Altria als Aktionär kein Kapital zur Verfügung!
(Zur Klarheit: Wir wollen keineswegs die
Konkurrenten von PMI anpreisen. Auch andere Tabakkonzernen biedern sich leider
bei der Tabakbekämpfung an und verhalten sich oftmals verbraucherunfreundlich,
nur eben nicht so extrem wie bei Philip Morris.)
500 Jahre Tabak
in Europa – warum jetzt das Jubiläum? Schon 1994 haben Austria
Tabak und VdC in Wien das halbe Jahrtausend feierlich begangen – der
Hauptredner kam aus Deutschland, ein gewisser Helmut Schmidt. Der zu damals
aktuellen Plänen der EU sagte: „Ganz egal, was man von Tabakwerbung hält oder
nicht, das geht Brüssel nichts an.“ Den vor 25 Jahren schon virulenten
Regulierungswahn, auch auf anderen Gebieten, bezeichnete er als „eine
schreckliche Entartung, die in Wirklichkeit natürlich auch zum Volkszorn
beitragen muss“. Hätte man mal auf ihn gehört. „Selbst mein geliebter
Schnupftabak wird demnächst einheitlich geregelt aus Brüssel“, beklagte der
Altkanzler, dem durch sein frühes Dahinscheiden im Alter von nicht mal ganz 97
immerhin erspart blieb, das EU-weite Verbot seiner noch geliebteren
Mentholzigaretten im kommenden Jahr erleben zu müssen.
Aber zurück zum
Jubiläum. Welcher westliche Seefahrer den Tabak entdeckt hat, darüber gehen die
Meinungen auseinander. Kolumbus, Luis de Torres, Amerigo Vespucci werden
genannt – und Magellan, der 1519 eine Weltumseglung startete. In diesem Jahr,
heißt es, kamen erstmals Tabakblätter nach Europa – und sind seither nicht mehr
wegzudenken. Daher das Jubiläum. Ebenfalls im Jahre 1519 wurde Katharina von
Medici geboren, die später als französische Königin zur begeisterten
Tabakschnupferin wurde. Das weist auf zweierlei hin:
Zum einen: Die Geschichte der Verbreitung des
Tabaks ist auch eine Geschichte unterschiedlicher Konsumformen: Mit Pfeifen
altamerikanischer Prägung hat es begonnen, später entstanden Schnupftabak,
Kautabak, Zigarren, Zigaretten und mehr. Was nach dem 1913 formulierten
sogenannten Rieplschen Gesetz für Medien gilt, nämlich dass durch neue Methoden
und Übermittlungsformen die alten „niemals wieder gänzlich und dauernd
verdrängt […] werden können“, betrifft
die Formen des Tabakgenusses analog. Keine ist ausgestorben. Es werden immer
neue Holzpfeifen designt, die Wasserpfeife hat in unserer Weltgegend im letzten
Jahrzehnt massiv an Boden gewonnen, die gute Zigarre hat keineswegs ausgedient,
die Zigarette dominiert weiterhin, wobei neben dem fertigen Industrieprodukt
selbstverständlich auch Feinschnitt und Volumentabake Bedeutung haben. Helmut
Schmidts Schnupftabak wird weiterhin produziert, im Bereich des Oraltabaks käme
dem schwedischen Snus eine viel größere Rolle zu, wenn er denn endlich anderswo
in der EU legal wäre.
Zum anderen erinnert uns Caterina de‘ Medici an
eine andere Frage: Wer raucht eigentlich? Abgesehen davon, dass die Monarchin
eine frühe Vorreiterin der Frauenemanzipation auf dem Gebiet des Genusses war: Der
Tabak hat sich in Europa in den vergangenen 500 Jahren mal eher von ‚oben‘, mal
von ‚unten‘ verbreitet. Durch Seeleute anfangs, später immer wieder durch
Soldaten, die in Kriegen quer über den Kontinent zogen, oder durch Arbeiter.
Aber es waren auch die ‚höchsten‘ Kreise, die stilbildend wirkten. Damals die
höfischen Sitten – in vielen königlichen Familien wird der Tabak nach wie vor
nicht verschmäht – oder in Person von Prominenten wie Künstlern. Genauso wie bei
den Konsumformen wechselten auch dabei die Konjunkturen – und derzeit will sich
in der westlichen Welt ein breites Mittelmaß durch Nichtrauchen oder
‚Tabakscham‘ nach unten abgrenzen.
Der langsame
Siegeszug des Tabaks während eines halben Jahrtausends spiegelt den
europäischen Fortschritt wieder, die Aufklärung in Denken und Politik, wirtschaftliches
Wachstum und Wohlstand, Erfindungen, Technik und Kultur. Ohne die Köpfe und die
Hände der Tabakgenießer stünden wir heute viel schlechter da. Exemplarisch
seien Schillers Schnupftabak, Einsteins Pfeife und Erhards Zigarre genannt. Wie
viele Ideen der letzten 500 Jahre wurden wohl geschmiedet, wie viele
Rebellionen geplant und wie viele Beziehungen geknüpft, während man beim
Tabak(rauchen) zusammensaß?
Tabak, um einen
anderen Aspekt anzusprechen, galt früh als Heilmittel – und ist es übrigens
heute indirekt wieder, wenn ‚medizinisches‘ Marihuana damit gestreckt wird.
Aber er galt eben auch als Bedrohung und Verkörperung des Bösen, als
„Teufelskraut“, als Versuchung und Laster. Die Geschichte des Tabaks ist auch
die Geschichte seiner Verfolgung. Sir Walter Raleigh, der zur Popularität des
Tabaks in England maßgeblich beigetragen hatten, wurde vor gut 400 Jahren auf
Geheiß von König Jakob I. im Londoner Tower eingekerkert, einem Monarchen, der
schon 1604 das erste bedeutsame Antiraucherpamphlet verfasst hatte („A
counterblaste to tobacco“). Es gab immer wieder Länder, in denen Raucher
diskriminiert wurden; und da reden wir nicht nur von der Steuerlast, sondern
auch von Rauchverboten aller Art (totale galten z.B. Mitte des 17. Jahrhunderts
in vielen Teilen Deutschlands) und harten Strafen wie Tötungen und herausgeschnittenen
Zungen. In Russland oder dem Osmanischen Reich galt zeitweise derlei. Anfangs
hatten Raucher mit der Spanischen Inquisition zu kämpfen, heute spielt – wie
vor 100 Jahren – der anglopuritanische Prohibitionismus eine große Rolle. Die
Nazis waren Tabakbekämpfer, in jüngster Zeit der IS. Nach all diesen
Erfahrungen müsste die Losung lauten: Nie wieder Krieg gegen den Tabak! Nie
wieder Gesundheitsfaschismus!
Doch davon sind
wir weit entfernt. Heutzutage, wir wissen davon leider ein Lied zu singen,
agiert die Tabakbekämpfung globaler, vernetzter und geschickter denn je. So wie
der Tabakgenuss am Anfang der europäischen Moderne stand, steht der Versuch
seiner Ausrottung heute möglicherweise für eine neue Zeitenschwelle. Mich
beschleicht immer mehr der Eindruck, dass wir in die Postmoderne abgleiten, so
wie früher die Antike im Mittelalter versunken ist. Vielleicht markiert das
Jahr 2000 ebenso wie das Jahr 500 oder das Jahr 1500 als grober Zeitpunkt eine
epochale Wende. Wenn die Moderne ausgehen und verlöschen soll wie eine
„feuersichere Zigarette“, dann ist klar, dass die Raucher als symbolische
Fackelträger dieses goldenen Zeitalters ebenso verschwinden müssen. Im
postmodernen Irrenhaus sind keine Raucherzimmer vorgesehen.
Christoph
Lövenich
Dieser Text basiert auf einem Vortrag,
den der Autor am 12. Oktober 2019 auf der Bundesmitgliederversammlung des
Netzwerk Rauchen gehalten hat.
Beim Tabakanbau denken wir an Virginia, Kuba, Malawi oder den Orient. Aber auch in Deutschland entsteht auf Feldern noch ‚Braunes Gold‘. Die SWR-Doku „Auf der Kippe? Die letzten Tabakbauern der Südpfalz“ aus dem vergangenen Jahr, die kürzlich wiederholt wurde, ist noch bis kommenden November in der Mediathek abrufbar.
„In de Palz geht de Parre mit de Peif in die Kärch“ heißt es im regionalen Jargon. Vier Jahrhunderte reicht die dortige Tabakpflanz-Tradition zurück. Um 1900 waren noch ganze 50.000 Tabakbauern aktiv, ein Jahrhundert später nur noch 300. Dann kam die Abschaffung der Tabaksubventionen durch die notorisch genuss- und raucherfeindliche EU. Das zeigt, wie Subventionspolitik den Markt verzerrt: Unliebsames, das bei den Herrschenden in Ungnade fällt, wird abgestraft. Trotz massiven Bauernprotests in Brüssel vor zehn Jahren endete 2010 die finanzielle Unterstützung. 35 südpfälzische Tabakbauern haben sich halten können, auch dank des wachsenden Bedarfs an Wasserpfeifentabak. Allerdings ist der unsubventionierte Markt noch lange kein freier Markt, denn immer engmaschigere Regulierung soll den Rauchgenuss vergällen, und auch die Tabakpflanzer bekommen das zu spüren: Biotabak und „nachhaltiger Tabak“ dürfen nicht als solcher beworben werden, dem stehen EU-Vorschriften über Produktbeschreibungen und Werbeaussagen entgegen. Von „Bio“ mag man halten, was man will, aber diese Information den Verbrauchern vorzuenthalten, bedeutet ein Wahrheitsverbot und ist konsumentenfeindlich.
Werden die Pflanzer (nicht nur in der Pfalz) durchhalten und Raucher in Deutschland weiter hiesigen Tabak genießen können? Netzwerk Rauchen drückt die Daumen.
Jahrzehnte waren Raucher an die Werteangaben auf Tabakpackungen gewöhnt, insbesondere bei fertigen Industriezigaretten. Die Mengen an Nikotin und Kondensat (Teer) geben Auskunft über die Stärke und erlauben so Vergleiche. Über 10 Jahre lang wurde auch der Kohlenmonoxid (CO)-Wert angegeben. Während die erste Tabakproduktrichtlinie (TPD) der EU den Aufdruck dieser Informationen verpflichtend machte, verbietet die neue (TPD 2) sie seit 2016 rigoros. Das ist die Verbraucherpolitik im 21. Jahrhundert: Sachliche und nützliche Inhaltsangaben müssen verschwinden, um Platz zu machen für emotionalisierende Ekelbilder. Manipulation statt Information.
Hier bei Netzwerk Rauchen e.V. gibt es diese Informationen trotzdem,
jetzt aktualisiert auf Stand April 2018, mit herzlichem Dank an unseren Kooperationspartner DTZ – Die Tabakzeitung.
Das deutsche Zigarettenangebot auf einen Blick. Liste aller Marken und der Anbieter. Verwendete Abkürzungen für die Werte (mg/Stück) gemäß DIN-Norm sind: „K = Teer“, „N = Nikotin“ und „CO = Kohlenmonoxid“.
Bei Gesetzgebungsverfahren werden oft diverse Lobbygruppen und Betroffene angehört, schriftlich oder mündlich, von der Regierung und/oder vom Parlament. Auf EU-Ebene gibt es ebenfalls solche „Konsultationen“, auch bei der Tabakbekämpfungspolitik. Aktuell kann man, ob Unternehmen, Interessenverband oder Einzelperson, zu geplanten Änderungen bei der Tabakbesteuerung Stellung nehmen. Sogar auf Deutsch, das war in der Vergangenheit nicht immer so. Noch bis zum 3. September.
Davon will natürlich bei der EU-Kommission niemand etwas hören, denen und den diversen staats- und pharmakonzernfinanzierten Lobbyisten der Antiraucher in Brüssel geht es darum, wie Tabakgenießer noch weiter gegängelt werden können. Auch das Dampfen ist Gegenstand der Befragung.
Dennoch hat sich Netzwerk Rauchen nicht nehmen lassen – wie schon seit über einem Jahrzehnt immer wieder –, den Brüsseler Bürokraten unsere Meinung zum Thema zu geigen. Gegen hohe Tabaksteuern, gegen weitere Verschlimmerungen – und dafür, dass sich die EU aus diesem Thema raushält. Alle Stellungnahmen sollen später bei der EU-Kommission online nachzulesen sein. Mehr sollte man sich davon zwar nicht versprechen, aber Resignation bringt nichts. Das Mindeste, was Sie tun können, ist ebenfalls an der Konsultation teilzunehmen, online, wie gesagt bis zum 3. September.
Der Raucher als Verbraucher hat’s nicht leicht. Zu den ganzen staatlichen Schikanen durch turmhohe Tabak-Sündensteuern, Ekelbilder und anderen TPD2-Unfug kommen auch noch Tricks der Produzenten. Kunden des losen Tabaks sind schon negativ davon betroffen, dass sich die Nikotin- und Teerwerte ihrer Marken schlechter ermitteln lassen als bei Fertigzigaretten – nicht durch das seit 2016 geltende EU-Verbot, die Werte auf den Packungen abzudrucken, sondern auch durch die intransparente Informationspolitik der meisten Herstellerfirmen.
Zusätzlich haben sie mit der Mengenfrage zu kämpfen; so gibt es von vielen Marken kaum kleine Packungen von z.B. 30 Gramm zum Probieren, um nicht gleich Großpackungen erwerben zu müssen. Anders als bei Nahrungsmitteln findet auch keine Auspreisung von Preis pro (soundso viel) Gramm statt. Was wiederum auch für Industriezigaretten zutrifft, genau wie der Umstand, dass manchmal der Preis bleibt und die Menge sinkt. Dass sich in der Schachtel bei gleichem Preis eine Zigarette weniger findet, ist für Raucher keine neue Erfahrung, das sind „versteckte“ Preiserhöhungen, wie sie vor allem der Tabaksteuerirrsinn erzwingt. Gleiches gilt für losen Tabak, dort allerdings ist uns jüngst ein etwas dreister Fall aufgefallen.
Ein West-Tabakbeutel von Reemtsma/Imperial Tobacco hat sich im Preis nicht verändert, aber die Gramm-Angabe ist urplötzlich von der Vorderseite verschwunden (siehe rechts). Die vorher (siehe links) kleiner gedruckte Vorhersage der Stückzahl Zigaretten, die sich daraus stopfen lässt, hilft wenig, hat sie nämlich bei vielen Marken (verschiedener Hersteller) mit der realen Stückzahl kaum etwas zu tun.
In Rauch aufgelöst hat sich die Gramm-Angabe allerdings nicht, sie wurde nur verschämt auf der Rückseite versteckt. Denn: Sie ist geschrumpft (siehe rechts oben). Sowohl in der Menge als auch in der Schriftgröße. Und zwar von 200 auf 170 Gramm, also um stolze 15 Prozent.
Mogelpackung? Augen auf beim Beutelkauf! Angesichts solcher Änderungen bzw. faktischer Preiserhöhungen empfiehlt es sich, im Laden genau hinzuschauen. Hauptfeind des Rauchers ist zwar die Obrigkeit, aber die Tabakunternehmen sind nicht unbedingt unser Freund. Das gilt politisch gesehen, aber auch in Sachen Verkaufstricks.
Es ist wieder „World No Tobacco Day“ (Weltnichtrauchertag), und die Massenmedien haben mal wieder nichts Besseres zu tun, als kostenlose Antiraucherpropaganda im Sinne von Staaten und Pharmakonzernen zu verbreiten. Das diesjährige Motto in Deutschland lautet: „Pass auf, an wen du dein Herzverlierst!“ Damit man seine Freiheit nicht die Tabakkontrolle verliert, sollte man sich deren Botschaften nicht zu Herzen nehmen.
Sich zu wappnen gegen Manipulation und den Nocebo-Effekt, das liegt dem Netzwerk Rauchen am Herzen. Nach unserem ersten und zweiten Ekelalbum zum Sammeln der Schockbilder auf Tabakpackungen präsentieren wir nun die dritte Staffel der Ekelfotos als reine Online-Galerie. Denn 3x 14 Motive dieser irreführenden EU-Hate-Speech sieht die TPD 2 vor, jährlich wechseln die Bilder, die dummen Sprüche bleiben, und ab nächstes Jahr geht es rotierend wieder mit der ersten Staffel los.
Die Online-Galerie bietet das Gegengift: Eine lohnende Abrechnung mit der schwarzen Holzhammer-Pädagogik in Bild und Schrift. Samt aufschlussreichen Zitaten. Diesmal serviert die Antitabaklobby uns z.B. einen ganz billigen Trick: Eine helle und eine dunkle Lunge, die den EU-Untertanen weismachen soll, man könne an der Lunge Nichtraucher und Raucher unterscheiden. Lasst euch nicht verarschen! Mehr dazu in der Galerie. Denn wir zeigen dem Ekel den Mittelfinger.
Im Netzwerk-Rauchen-Spendenshop sind neue Produkte erhältlich! Nach dem Schockbilder-Album 2.0 und dem Flussblick-Poster können Sie als Dankeschön für eine kleine Spende nun Mousepads, Kaffeebecher und Leinenbeutel erhalten. Die Kaffeebecher sind aus Keramik und mit zwei unterschiedlichen Slogans zu haben. Für zu Hause und auf der Arbeit, genau wie die schöne Unterlage für die Computermaus und der nicht nur für Hipster geeignete Tragebeutel.